Covestro: Spektakulärer Durchbruch nach langer Forschung

Aus CO2 wird Kunststoff

Kohlendioxid als neuer Rohstoff: In dieser Produktionsanlage in Dormagen baut Covestro 20 Prozent CO2 in eine wichtige Schaumstoff-Komponente ein.

Auf diesen Moment hatte man in Leverkusen und Dormagen seit Jahren hingearbeitet – das klimaschädliche Kohlendioxid endlich als nützlichen Rohstoff einsetzen zu können. Vor kurzem war es dann soweit: Der erste LKW wurde bei Covestro im CHEMPARK Dormagen mit einem aus CO2 gewonnenen Rohstoff beladen und machte sich auf eine besondere Reise.

Manchmal dauert es Jahrzehnte bis eine Idee ins Rollen kommt. Oder besser gesagt: bis ein LKW sich auf den Weg macht, um die Kunststoffproduktion zu revolutionieren. In diesem Fall begann alles im Jahr 1937. Zufällig entdeckt der Chemiker Otto Bayer in Leverkusen den Polyurethan-Schaum. Anfangs weiß man damit noch nicht viel anzufangen. Doch durch die Entwicklung neuer Verarbeitungs- und Anwendungstechniken ergeben sich für diesen Kunststoff nach und nach Einsatzmöglichkeiten. Heute ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass wir darauf sitzen oder träumen, denn Polyurethan-Schaumstoff wird unter anderem in Matratzen, Polstermöbeln und Autositzen verarbeitet.

Schlafen auf Kohlendioxid

Hauptbestandteil dieses Kunststoffs war bislang Erdöl, eine Alternative dazu schien lange in weiter Ferne. Unermüdlich forschte auch der CHEMPARK-Partner Covestro danach und verfolgte dabei eine Idealvorstellung: Der als Ausgangselement für die Kunststoffproduktion benötigte Kohlenstoff sollte nicht mehr aus Erdöl, sondern aus dem klimaschädlichen CO2 gewonnen werden.

Dass dies funktioniert, hatte Covestro bereits in einer Pilotanlage im CHEMPARK Leverkusen bewiesen. Hier wurde mit Hilfe von Kohlendioxid ab 2011 ein wichtiger Kunststoff-Baustein hergestellt, das sogenannte Polyol, welches für die Herstellung des Polyurethan-Schaumstoffs benötigt wird.

Wo Träume wahr werden

Dr. Karsten Malsch leitet bei Covestro das Projekt Dream Production zur Herstellung der neuartigen Schaumstoff-Komponente mit CO2.

Möglich wurde das neue Verfahren aber erst durch einen wissenschaftlichen Durchbruch: Covestro und seine Partner hatten nämlich den passenden Katalysator gefunden, der das chemisch sehr träge CO2 effizient zur Reaktion bringt. Eine Untersuchung der Universität Aachen ergab zudem, dass dank des Katalysators der gesamte Prozess weniger Energie verbraucht als das traditionelle Verfahren zur Polyol-Herstellung. So geht es bei vielen Projekten im CHEMPARK eben nicht nur um Wachstum, sondern auch darum, innovative Prozesse und Produkte auf den Weg zu bringen.

Nach der erfolgreichen Testphase in Leverkusen errichtete Covestro schließlich auch im CHEMPARK Dormagen eine Produktionsanlage, um größere Mengen Polyol herzustellen – so viel, dass dieses bereits für kommerzielle Zwecke genutzt werden kann. Als die Anlage vergangenes Jahr in Betrieb ging, sagte Covestros Projektleiter Karsten Malsch: "Bald könnten Matratzen aus Polyurethan-Weichschaum auf den Markt kommen, die unter anderem aus CO2 bestehen."

Im Februar war es dann endlich soweit: im CHEMPARK Dormagen wurde bei Covestro der erste LKW mit dem neuen CO2basierten Polyol befüllt und startete Richtung Schweden, wo es bei einem Polyurethan-Hersteller zu Schaumstoff verarbeitet wird. Die Wahrscheinlichkeit ist relativ groß, dass wir demnächst darauf sitzen oder träumen.

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