Intelligente Logistik im CHEMPARK Leverkusen

Tetris in Echtzeit

Technik, die Fingerspitzengefühl erfordert.


Viel Material, wenig Platz. Was im heimischen Keller nur lästig ist und zum Ausmisten animiert, ist im CHEMPARK ein zentrales Thema. Gute Logistik ist für die Unternehmen bare Münze.

Unerbittlich fallen sie vom Himmel. Mit jedem Block, der von oben kommt, füllt sich der Bildschirm. Mehr und mehr. Immer mehr. Bis alles voll ist und ein knatschiges Geräusch die betörende Spielmelodie unterbricht. Game over.

Der Spiele-Klassiker "Tetris" ist das Paradebeispiel für Logistik. Wer die verschiedenen Tetris-Module geschickt stapelt, vermeidet Lücken auf seiner begrenzten Stellfläche. Wer dagegen ineffizient stapelt, hat sehr schnell ein Platzproblem. Das Prinzip der Containerlogistik im CHEMPARK Leverkusen ist ähnlich. "Ein Containerterminal ist wie ein großer Lego-Bausatz", sagt Christian Trumpp von der Bergischen Universität Wuppertal, der seine Doktorarbeit beim Logistik-Unternehmen Chemion schreibt.

Von der Doktorarbeit zum Praxisprojekt

Trumpps Forschungsarbeit ist mittlerweile der Theorie entwachsen, sie hat sich zum Praxisprojekt "ISYCon" entwickelt. ISYCon ist der Name einer Software-Lösung zur Optimierung der Lagerbewegungen in den Containerterminals von Chemion im CHEMPARK. Chemion betreibt aktuell drei Containerterminals im CHEMPARK Leverkusen, um den Umschlag und die (Zwischen-)Lagerung von Tank- und Boxcontainern zu gewährleisten. Das Ziel von ISYCon ist es, unnötige Kranbewegungen zu identifizieren und künftig zu vermeiden. "Die Reduktion der Leerhübe stellt ein großes Optimierungspotenzial dar", so Trumpp. ISYCon wird als Prototyp bis Dezember dieses Jahres im Leverkusener Terminal T 2 implementiert. Der Einsatz in den weiteren Terminals soll später folgen.

Der Mensch hat das letzte Wort

Der Kranführer bestimmt letztendlich, wo der Container abgesetzt wird.

ISYCon berechnet in Echtzeit die Anpassung der vorliegenden Kranbewegungspläne beim Eintreffen neuer Aufträge, etwa bei der Ankunft von Schiffen. Der Kranführer bekommt direkt einen Vorschlag für die jeweils nächste Bewegung. In jedem Fall aber behält er das letzte Wort. Trumpp: "Manuelle Korrekturmöglichkeiten durch den Kranführer beziehungsweise die Containerleitstelle sind immer möglich." So kann der Mensch auch nicht berechenbare Komponenten einbeziehen, zum Beispiel dringliche Aufträge und die bevorzugte Behandlung bestimmter Container.

Etwa ein Drittel weniger Leerhübe wird es ab der Einführung von ISYCon geben. Aber nicht nur Chemion und die CHEMPARK-Partner werden davon profitieren – auch 'Tetris'-Profi Trumpp hat bereits gewonnen. Von der Möglichkeit, seine theoretischen Kenntnisse in der Praxis anzuwenden. Dank der ihm im CHEMPARK gebotenen Möglichkeiten.

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