Gelebte Integration im CHEMPARK

Ohne Worte

Gebärdendolmetscherin Antoinette Bruecher (r.) übt mit den Kursteilnehmern.


Um die Verständigung mit ihrer schwerhörigen Kollegin zu verbessern, nehmen die Mitarbeiter des CHEMPARK-Managers und -betreibers CURRENTA an einem Kurs in Gebärdensprache teil.

Lippenablesen sei sehr schwierig. Selbst dann, wenn man es könne, sei es sehr anstrengend. Zudem müssen die Bedingungen optimal sein. Sagt Jutta Roth. Das heißt: Genaugenommen sagt sie es nicht. Sie gebärdet es. Sie nutzt die Gebärdensprache, die für Menschen entwickelt wurde, die an Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit leiden. Damit zeigt sie ihren Kolleginnen und Kollegen, wo sie Hilfe braucht oder wenn sie etwas nicht verstanden hat.

Jutta Roth arbeitet seit über 30 Jahren im CHEMPARK.

Jutta Roth arbeitet seit über 30 Jahren im CHEMPARK, mittlerweile beim Laborgebäudemanagement (LGM) von CURRENTA. Sie ist eine von 21 Mitarbeitern beim LGM – und sie ist schwerhörig. Um die Verständigung im Team zu erleichtern, hat Betriebsleiter Kai-Uwe Thorn ein spezielles Kommunikationstraining in Zusammenarbeit mit dem Integrationsfachdienst aus Köln organisiert. Fünf Termine, an denen sein Team jede Menge lernt, um Jutta Roth den Arbeitsalltag zu erleichtern. "Wir erklären den Teilnehmern die Auswirkungen von Schwerhörigkeit auf den Betroffenen. Dann vermitteln wir Grundkenntnisse der Gebärdensprache, entwickeln gemeinsam Fachbegriffe in Gebärdensprache, die situativ am Arbeitsplatz gebraucht werden", erklärt Frank Karstens, Kursleiter beim Integrationsfachdienst

Finanziert vom LVR

Beherrscht die Gebärdensprache aus dem Effeff: Dolmetscherin Antoinette Bruecher.

Die insgesamt 15 Kursstunden finanziert der Landschaftsverband Rheinland (LVR) Unternehmen, die sich derart integrativ engagieren. CURRENTA unterstützt die Maßnahme durch die Organisation. "Ich habe, kurz nachdem ich im Januar das Laborgebäudemanagement übernommen habe, Mitarbeitergespräche geführt. In der Unterhaltung mit Jutta Roth haben wir gemeinsam überlegt, wie wir ihr konkret helfen können", sagt Thorn. "Und ich bin begeistert, wie motiviert und engagiert das ganze Team mitzieht und sich in den Kursen beteiligt."

Pragmatische Hilfe

Zum Beispiel Bernd Huck und Martina Hirt. Sie erinnern sich noch gut an das Gelernte der vergangenen Unterrichtseinheit und erzählen mutig vor der Gruppe, was ihre Hobbys sind – in Gebärdensprache, versteht sich. "Das ist ein sehr spannendes und wichtiges Thema. Und es ist umso schöner, weil wir durch das, was wir hier lernen, Jutta ganz pragmatisch helfen können", so Kollege Roland Kerst. Mit jeder Übungsrunde lernen die Mitarbeiter des LGM neue Gebärden. Und neue Tricks: mit dem Gesicht zur Person stehen, die Lippen akzentuiert bewegen, langsame Bewegungen machen, auf die Lichtverhältnisse und die Geräuschkulisse achten. Mit jeder Übungsrunde verstehen sich Jutta Roth und ihre Kollegen besser. Ganz ohne Worte.

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