Notruf – Einsatz – Warnung - Information.

Wie sind die Abläufe im Falle eines Ereignisses im CHEMPARK?

Wird ein Anruf in der Sicherheitszentrale des CHEMPARK – kurz SiZe – als Notruf eingestuft erfolgt umgehend eine Alarmmeldung an den Rettungsdienst und/oder die Werkfeuerwehr. Am Einsatzort angekommen bewerten die Einsatzkräfte die Lage und weisen – falls notwendig – weitere Gefahrenabwehrmaßnahmen an. Ist eine Gefährdung außerhalb der Werksgrenzen nicht auszuschließen, gehen Meldungen über die behördlichen Warn-Apps wie NINA oder KATWARN unter Umständen schon Minuten später raus. Und das, obwohl im betroffenen CHEMPARK selbst noch keine Kommunikation erfolgte. Wie kann das sein?
Eine Schematische Darstellung zeigt die Abläufe der Ereignisbearbeitung auf und erklärt das Vorgehen und die Zusammenhänge.

Minute 2 bis 5 nach Alarmeingang

Zwischen Minute 2 und Minute 5 nach Alarmierung trifft die Werkfeuerwehr am Einsatzort ein. Im Entsorgungszentrum Bürrig kann das – bedingt durch die längere Anfahrt – bis zu drei Minuten länger dauern. Unmittelbar nach der Ankunft nimmt der Einsatzleiter die Beurteilung der Lage vor, die er unverzüglich der SiZe meldet und weist – falls notwendig – alle notwendigen Gefahrenabwehrmaßnahmen an.

Werkswarnung immer schneller als die Warn-Apps

Die SiZe warnt die betroffenen Werksbereiche über die zentrale Werkswarnanlage (ZWA). Die Warnung aktiviert ein SiZe-Mitarbeiter per Mausklick. Mit der Warnung wird auch das Ereignistelefon geschaltet: Wer die ZWA-Warnung nicht verstanden hat, kann sich die Warntextdurchsage noch einmal anhören. Wichtig: Das Ereignistelefon ist ausschließlich im Festnetz erreichbar.

Faktisch erfolgt also die werksinterne Warnung schnellstmöglich und läuft immer vor einer behördlichen Warnung ein. Aber: Gewarnt wird nur dort, wo wegen einer möglichen Gefährdung auch gewarnt werden muss. Nicht betroffene Werksbereiche erhalten keine Warnung mit Verhaltensanweisungen aus der SiZe, sondern später eine Erstinformation über den E-Mail-Newsletter „CHEMPARK intern“ der Krisenkommunikation. Um zu verstehen, warum die Erstinformation nicht zeitgleich mit der Warnung erstellt werden kann, muss man die Abläufe in Minute 6 bis Minute 30 nach Alarmeingang näher betrachten:

Minute 6 bis 30 nach Alarmeingang

Warn-Apps und Sirenenalarm sind Sache der öffentlichen Feuerwehr

Auf Basis der Informationen des Einsatzleiters ordnet die SiZe das Ereignis in ein vierstufiges D-Meldestufensystem ein und meldet dies an die Leitstellen der zuständigen öffentlichen Feuerwehren:

  • D1: Das Ereignis hat keine Auswirkungen außerhalb der Werksgrenzen. Das kann z. B. beim Abfackeln von Gasen oder lauten Geräuschen der Fall sein, die außen wahrnehmbar sind und für gefährlich gehalten werden könnten, es aber objektiv nicht sind.
  • D2: Auswirkungen außerhalb der Werksgrenzen sind nicht auszuschließen.
  • D3: Eine Gefährdung außerhalb der Werksgrenzen ist wahrscheinlich oder bereits eingetreten.
  • D4: Katastrophenfall. (Ein Ereignis dieser Kategorie ist noch nie an einem CHEMPARK-Standort eingetreten.)

Die D-Meldung aus der SiZe ist für die öffentliche Feuerwehr Grundlage der Entscheidung über die Auslösung der behördlichen Warnsysteme für bestimmte geografische Bereiche. Dazu gehören Warn-Apps wie NINA und KATWARN , aber auch der Sirenenalarm: Die charakteristischen an- und abschwellenden Heultöne sind bis heute eine der effektivsten Warnmöglichkeiten der Bevölkerung. Das hat insbesondere die Flutkatastrophe im Ahrtal und der Eifel noch einmal deutlich gemacht

NINA ist (eigentlich) keine Info-App

Sinn der Warnung ist es, die Aufmerksamkeit der Betroffenen auf die drohende Gefahr zu lenken bzw. ein Bewusstsein für eine bestehende Gefahrensituation zu schaffen und so mögliche Schäden abzuwenden oder zu minimieren. Problematisch ist deshalb die zunehmende Nutzung von Warn-Apps zu Informationszwecken. Die größere Häufigkeit, mit der sich die Warn-App dadurch bei den Nutzern meldet, führt zwangsläufig zu einer kommunikativen Desensibilisierung. Im Ernstfall ist dann die Aufmerksamkeit geringer oder die Warnung wird als vermeintlich irrelevante Information ignoriert.

Rückwärtige Einsatzleitung nimmt die Arbeit auf*

Während am Einsatzort die Gefahrenabwehrmaßnahmen laufen – je nach Umfang und Art des Ereignisses auch mit Unterstützung durch öffentliche Feuerwehren, Polizei, THW usw., – tritt in der Wache die sogenannte „rückwärtige Einsatzleitung“ zusammen. Dieser Unterstützungsstab für die operativ-taktischen Einsatzkräfte kümmert sich um Versorgung, Logistik und alles, was die Einsatzkräfte vor Ort für eine bestmögliche Gefahrenabwehr benötigen. Auch Vertreter von Polizei und öffentlichen Feuerwehren sind dabei. Die Arbeit der rückwärtigen Einsatzleitung folgt einem Regelkreis aus Lagefeststellung, Lagebewertung mit all ihren Optionen und Risiko/Nutzen-Abwägungen, Maßnahmenfestlegung und anschließender Umsetzung.
*werktags tagsüber / in Kernarbeitszeiten

Aktivierung der Krisenkommunikation

Unterdessen beruft der Krisenmanager vom Dienst den Krisenstab ein. Damit ist auch die CHEMPARK-Krisenkommunikation aktiviert. In Abstimmung mit dem Krisenmanager wird nun eine Erstinformation erstellt. Das geht – nicht zuletzt dank eines von CURRENTA selbst entwickelten mobilen Redaktionssystems – sehr schnell. In Sekunden ist diese aus Textbausteinen zusammengeklickt und an die Mitarbeiter*innen im Chempark sowie die Öffentlichkeit und das standortnahe Umfeld verteilt: E-Mail-Newsletter „CHEMPARK intern“, Nachbarschaftsbüros, Chempark-App, Twitter und Facebook, Presse. Verteiler für interne und externe Zielgruppen, lokal, regional oder bundesweit, sind hinterlegt. Wenn erforderlich, werden jetzt weitere Funktionen der Kommunikation mobilisiert, die die kommenden operativen Kommunikationsaufgaben umsetzen und organisieren.

Erstinformation ist keine Warnung

Vor der Erstinformation stehen grundsätzlich mehr Schritte der Ereignisbearbeitung an als vor der Auslösung der NINA-Warnung durch die öffentliche Feuerwehr. Wer das weiß, den wundert es nicht, dass die Erstinformation bestenfalls parallel zur öffentlichen Warnung rausgeht, ihr in aller Regel aber nachläuft. Das ist kein Grund zur Besorgnis: Sie ist ja schon per Definition nicht als Warnung gedacht, sondern enthält die Ereignisnachricht selbst und Empfehlungen zum Verhalten.

Minute 31 bis 60 nach Alarmeingang

Verständlicher Informationshunger

Dass manchen die Erstinformation zu dünn erscheint, ist verständlich. Denn: Wer das Ausrücken des Löschzugs mit Martinshorn und Blaulicht wahrgenommen und bereits die externe NINA-Warnung erhalten hat, will natürlich mehr wissen. Ganz besonders dann, wenn erste Videos vom Ereignis in den Sozialen Medien in Umlauf sind oder Freunde und Bekannte in dem betroffenen Werksbereich arbeiten. Damit die CHEMPARK-Krisenkommunikation auf gesicherter Faktenbasis weiter informieren kann, braucht es jedoch detaillierte Lageinformationen aus dem Krisenstab.

CHEMPARK-Krisenstab tritt zusammen

Der Krisenstab tritt erstmals im Zeitraum zwischen Minute 31 und 60 nach Alarmeingang zusammen. Er kümmert sich um alle administrativ-organisatorischen Aufgaben, die im Zusammenhang mit dem Ereignis anfallen, aber nicht der direkten Gefahrenabwehr dienen. Werkschutz, Umweltüberwachung und Krisenkommunikation sind neben dem Krisenmanager vom Dienst, der den Stab leitet, und dem CHEMPARK-Leiter vom Dienst, der die Entscheidungen verantwortet, fester Bestandteil. Der Brandschutz ist zur Übermittlung des Lagebilds sowieso fest vertreten. Dazu kommen anlassbezogene Mitglieder als Fachberater z.B. für Infrastruktur, medizinische Fragen usw. Auch das betroffene Unternehmen ist vertreten.

Krisenstab und rückwärtige Einsatzleitung folgen dem gleichen Regelkreis

Im Normalfall arbeitet der Krisenstab direkt am betroffenen Standort in der Wache. So sind kurze Wege in die SiZe und die rückwärtige Einsatzleitung sichergestellt. Um die Handlungsfähigkeit auch in Sondersituationen – erschwerte Anfahrt durch Autobahnsperrungen, verschärfte pandemische Bedingungen – zu gewährleisten, sind auch teilweise oder vollständig virtuelle Alternativen zum Präsenzformat möglich. Formatunabhängig arbeitet der Krisenstab nach demselben Regelkreis wie die rückwärtige Einsatzleitung: Lagefeststellung, Lagebeurteilung, Maßnahmenfestlegung, Umsetzung. Dabei folgen die Krisenstabssitzungen dem Rhythmus der Einsatzleitungssitzungen zeitversetzt.

Ausführlichere Information noch in der ersten Stunde nicht die Regel

Im Regelfall ist die CHEMPARK-Krisenkommunikation im Krisenstab doppelt besetzt: mit einem Mitarbeiter in strategisch-beratender Funktion und einem Mitarbeiter, der sich um die operative Krisenkommunikationsarbeit kümmert („Chef vom Dienst“). So kann im Idealfall eine ausführlichere Information noch in der Krisenstabssitzung erarbeitet, verabschiedet und vor Ablauf der ersten Stunde nach Alarmeingang auf allen Kommunikationskanälen veröffentlicht werden. Zwischen den Lagerunden des Krisenstabs steuert der Chef vom Dienst die Umsetzung der weiteren Kommunikationsaufgaben: Kontaktaufnahme zu den Medien, Betreuung von Nachbarschafts-Hotline und Nachbarschaftsbüros, Medienbeobachtung, erweiterte Informationsbeschaffung usw.

Nach der ersten Stunde

Schneller schafft’s keiner

Mit ersten ausführlichen Informationen auf Basis einer gesicherten Faktenlage ist prozessbedingt normalerweise nicht innerhalb der ersten Stunde nach dem Ereignis zu rechnen. Damit ist aber auch klar: Früher schafft’s auch keiner sonst. Aus welcher Quelle auch immer schnellere News zum Ereignis die Runde machen – geprüft, bewertet und richtig interpretiert können sie nicht sein. Solche schnellen Spekulationen helfen niemandem, heizen die Gerüchteküche an und sorgen schlimmstenfalls für „Nebenkriegsschauplätze“, die die Arbeitslast der Krisenkommunikation zur Unzeit zusätzlich erhöhen.

Wichtig im Notfall

Notruf CHEMPARK-Werkfeuerwehr

von Festnetzanschlüssen im CHEMPARK: 112
vom Handy (Leverkusen): 0175 2605 99 399
vom Handy (Dormagen) 0175 313 99 39
vom Handy (Uerdingen) 0175 311 99 39

Ereignistelefon

Leverkusen 0214 2605 99 320
Dormagen 02133 489 99 320
Uerdingen 02151 88 99 320

Sicherheitstelefon bzw. Nachbarschafts-Hotline

Leverkusen: 0214 2605 99333
Dormagen: 02133 489 99333
Uerdingen: 02151 88 99333

Sirenensignale

Warnung: auf- und abschwellender Heulton (1 Min.)
Entwarnung: Dauerton (1 Min.)

Verlässliche Informationen aus erster Hand

Erkenntnisse aus der operativen Kommunikationsarbeit – Anzahl und Inhalte der Hotline-Anrufe, Presseanfragen und Berichterstattung in den Medien usw. – fließen ab der zweiten Lagerunde zurück in den Krisenstab. Die Ergebnisse der Krisenstabssitzungen, die immer an die Sitzungen der rückwärtigen Einsatzleitung gekoppelt sind, speisen weiterhin die Meldungen der CHEMPARK-Krisenkommunikation. Diese Integration der Kommunikation in die Krisenbewältigungsstruktur schafft die Voraussetzung für die beste Qualität und höchste Geschwindigkeit der Information.


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