Aktuelle Verkehrshinweise

25. Nov 2020

A3: Neue Erkenntnisse bei der Aufarbeitung des tödlichen A3-Unfalls in Köln vom 13.11.2020

Köln (straßen.nrw). Zwölf Tage nach dem tragischen Unfalltod einer Autofahrerin auf der A3 in Köln untersuchen wir weiter mit Hochdruck, warum eine tonnenschwere Lärmschutzplatte auf die Fahrbahn kippen konnte.

An der Unfallstelle an der A3 wurde an insgesamt sieben Lärmschutzplatten offenbar aus Platzgründen bewusst mit geschweißten Winkeln improvisiert (siehe Foto „Winkel“). Eine Sichtprüfung der Schweißnaht an der fehlerhaften Konstruktion war ohne Weiteres nicht möglich. An diesen Erkenntnissen hat sich nichts geändert.

Experten haben im Bereich der Unfallstelle an der A3 auch alle weiteren Lärmschutzplatten geprüft. Dabei wurden über die sieben nicht regelkonform angebrachten Platten hinaus keine weiteren improvisierten, geschweißten Winkel-Konstruktionen gefunden. Gleichwohl wurden die Arbeiten an den grundsätzlich regelkonformen Konstruktionen in mehreren Fällen unsauber und nicht fachgerecht ausgeführt (siehe Fotos „Schraube1“/„Schraube2“). Diese Mängel sind mit bloßem Auge erkennbar. Ob das die Standsicherheit der Lärmschutzplatten beeinträchtigt, wird gerade untersucht. Vorsorglich wurde daher entschieden, diese Lärmschutzplatten mit einer zusätzlichen Halte-Konstruktion zu sichern.

Zudem liegt inzwischen das Abnahmeprotokoll aus dem Jahr 2008 für das Bauwerk vor. Darin wurde die improvisierte Konstruktion als Mangel aufgeführt und nur unter dem Vorbehalt eines statischen Nachweises abgenommen, der trotz mehrfacher Aufforderung nicht erbracht wurde. Die Baufirma ist mittlerweile insolvent.

An weiteren 25 Abschnitten an Autobahnen, Bundesstraßen und Landesstraßen in ganz Nordrhein-Westfalen wurden ähnliche Konstruktionen mit Vorsatzschalen verbaut. Alle Lärmschutzplatten werden jetzt einer handnahen Sichtprüfung unterzogen. Bislang gibt es keinen Hinweis auf ähnliche nicht regelkonforme Konstruktionen.

Beim weitaus größten Teil der Lärmschutzwände in Nordrhein-Westfalen sind keine Vorsatzplatten wie an der A3 verbaut. Diese sind also von dem etwaigen Baumangel nicht betroffen.

Unabhängig davon, ob es sich an der A3-Unfallstelle um die Verkettung eines Baumangels mit individuellen Fehlern und Versäumnissen handelt, oder um ein generelles Defizit beim Prozess der Abnahme und Prüfung von Bauwerken, hat das Verkehrsministerium veranlasst, die bisherige Praxis der Überwachung und Abnahme von Bauprojekten sowie die Abläufe und Organisation der Bauwerksprüfung beim Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen von einem externen Gutachter überprüfen und bewerten zu lassen. Dazu wird gerade eine Ausschreibung vorbereitet.

Bildzeilen zu den Pressefotos

„Schraube1“/„Schraube2“: Konstruktionen wie diese wurden bei der Überprüfung der Lärmschutzplatten an der A3 gefunden. Offenbar wurde eine zusätzliche Schraube eingesetzt, weil die erste nicht passte. Alle Platten mit solchen nicht fachgerecht ausgeführten Verschraubungen werden mit einer zusätzlichen Halte-Konstruktion gesichert.

„Winkel“: Mit solch einer improvisierten, geschweißten Winkel-Konstruktion wurden sieben der Lärmschutzplatten montiert. Quelle Fotos: Straßen.NRW


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